Herzensangelegenheiten

Nebelfrei

14. Juni 2025 / Veranstaltungsreihe Nebelfrei 2025

Bienen machen die meiste Zeit Pause



Um die Honigbienen halten sich viele Mythen hartnäckig. Zum Beispiel jener von ihrem sprichwörtlichen Fleiss. Bienenhirte Andy Erb aus Nuglar zeigte in seinem Vortrag vor den Sommerferien, dass die Tiere auch ohne solche Überhöhungen überaus spannend sind.
«Viele Bienen gehen den grössten Teil ihrer Zeit im Bienenstock keiner erkennbaren Tätigkeit nach», erklärte Andy Erb auf die Kinderfrage, ob Bienen denn auch mal «chillen» würden. Mit aufwändigen Beobachtungsstudien habe man das herausgefunden und so den viel zitierten Bienenfleiss infrage gestellt.
Sinnvolle Arbeitsteilung
In der informativen und überaus kurzweiligen Präsentation hatten die knapp 20 Zuhörenden im Keller des alten Weinlagers zuvor erfahren, dass Bienen je nach Alter unterschiedlichste Aufgaben für ihr Volk übernehmen. Sie starten als Reinigungsbiene ins Leben, übernehmen darauf die Brutpflege, lagern später Honig und Pollen ein und kümmern sich schliesslich um den Bau- oder Wachedienst am Stock. Erst ganz am Schluss ihres Lebens gehen sie rund 20 Tage als Sammelbienen auf Ausflüge. Die Zuteilung dieser Aufgaben hat dabei nichts mit Karriere, Status oder Lohn zu tun, sondern entspricht jeweils dem biologischen Entwicklungsstadium. «Jede Arbeiterin macht das, was gerade notwendig ist und wozu sie in der Lage ist – eigentlich eine ideale Arbeitsteilung», meinte Andy Erb.
Gute Chefin
Solche und andere Erkenntnisse aus dem Leben der Bienen nutzt er in seinem Hauptberuf als Organisationsentwickler, um darüber nachzudenken, wie Menschen die Arbeit in einem Unternehmen sinnvoll organisieren könnten. Die Bienenkönigin liefert dabei ein gutes Sinnbild für die Rolle einer Chefin oder eines Chefs. Denn die Königin sei für ihr Volk keinesfalls die allwissende Herrscherin. Sie hat im Wesentlichen nur zwei Aufgaben: Eier legen und Duftstoffe absondern, welche das Volk zusammenhalten. «Für Erneuerung und für Zusammenhalt sorgen: Würde es nicht auch ausreichen, wenn sich das Management in einem heutigen Unternehmen auf diese beiden Aufgaben konzentrierte?», so die durchaus provokative These von Andy Erb.
Mit solchen Denkanstössen, vielen anschaulich aufbereiteten Fakten aus der Bienenwissenschaft und einem eigens eingerichteten Schau-Bienenkasten im Garten gelang es dem passionierten Bienenhirten, dass nach dem Vortrag noch lange über Bienen und Menschen philosophiert wurde.
 
Andreas Kaufmann

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Andy Erb (links) gab anschauliche Einblicke in das Leben und Arbeiten der Honigbienen, unter anderem mit einem Schau-Bienenkasten.