Herzensangelegenheiten

Nebelfrei

18. September 2025 / Veranstaltungsreihe Nebelfrei 2025

Den Künstler-Vater im Überblick


Wer in den Fasskeller der «Alten Brennerei» hinabsteigt, dem eröffnet sich ein unfassbar üppiger Kunstschatz. Hier ist das Lebenswerk des renommierten Schweizer Künstlers Lenz Klotz ausgestellt und eingelagert. «Manchmal wird es mir auch zu viel mit all dieser Kunst», erklärte Martin Klotz am Schluss der Veranstaltung den rund 20 Interessierten. Im Rahmen der Reihe «Chöpf us Nuglar» erzählte er Mitte September aus seinem Leben mit der Kunst seines Vaters. Dieser gehört zu den bedeutendsten Schweizer Vertretern der abstrakten Malerei. Werke von ihm hängen in den Kunstmuseen von Basel bis Chur und Lausanne bis St.Gallen. Zum hundertsten Geburtstag hat der Sohn – seines Zeichens Wirt, Bierbrauer und vielbeschäftigter Nachlassverwalter – eine Ausstellung mit hundert Bildern kuratiert, die das Lebenswerk von Lenz Klotz in chronologischer Übersicht zeigen.
Künstler und Familienvater
1925 in Chur geboren und aufgewachsen, zog es den jungen Klotz bald nach Basel, wo er fortan als Künstler und Zeichnungslehrer arbeitete und auch eine Familie gründete. Martin Klotz erinnerte sich: «Für uns Kinder war das oft eine harte Geduldsprobe, wenn wir mit ihm ein Glacé essen wollten, er aber erst sein Bild fertig malen wollte.» Der Vater habe stundenlang ein entstehendes Werk aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten können, bis er schliesslich ganz konzentriert die nächste Linie malte.
Überhaupt ist die vertiefte Auseinandersetzung mit der Linie zu einem Lebensthema von Lenz Klotz geworden. Über all seine Schaffensphasen hinweg, die in der Ausstellung sehr schön voneinander unterschieden werden können, bildet das Ausloten der Linie und ihrer gestalterischen Möglichkeiten eine verbindende Klammer.
Von Nuglar nach Asien
Neben der künstlerischen Anerkennung stellte sich auch der wirtschaftliche Erfolg ein. Der Kunstmarkt nahm die mutigen und bisweilen auch schelmisch-lakonisch wirkenden Werke gut auf. «Es kam in den 80er Jahren eine Zeit, in welcher fast jede Grossbank einen Klotz in der Schalterhalle hängen hatte», erzählte Martin Klotz. Und das Interesse hält bis heute an. So bot sich jüngst auch eine Gelegenheit für eine Einzelausstellung in Ostasien. Über 60 der kostbaren Druckgrafiken, Monotypien und Ölgemälde mussten von Nuglar aus verladen und verschifft werden, bevor Martin und seine Partnerin Manuela sie in Gunsan in Südkorea wiederum zu einer feinsinnigen Ausstellung zusammenstellen konnten.
In der kurzweiligen Führung durch den Fasskeller und das Kunstfoyer wurde so eindrücklich nachvollziehbar, welche Chancen und Herausforderungen das Leben als Künstlerkind und Nachlassverwalter mit sich bringt .
Hinweise
Am Sonntag den 7. Dezember 2025 lädt die alte Brennerei ab 10.00 Uhr zu einem grossen Sonntags Brunch mit allerlei leckeren Spezialitäten aus dem Dorf.
Kosten Fr. 45.00 p.P. Kinder und Jugendliche Fr. 2.00 pro Lebensjahr inkl. alles.
Ab 11.30 offeriert die Nachlassgruppe Lenz Klotz Art Collection eine letzte öffentliche Führung mit interaktiver Bildbetrachtung durch die bekannten Kunsthistorikerinnen Dr. Jana Lucas (Autorin, Kleine Basler Kunstgeschichte) und im Dezember mit einer ehemaligen Schülerin von Klotz der heutigen Kunsthistorikerin, Iris Kretschmar.
Wir freuen uns auf diese Anlässe wie auch auf Euren spontanen Besuch. Für den Brunch 10.00 - 14.00 gerne eine kurze Anmeldung.
Die biografische Ausstellung «100 Bilder zum 100sten» zu Lenz Klotz ist noch bis Ende Jahr in der «Alten Brennerei» während der Öffnungszeiten des Restaurants zugänglich.
Andreas Kaufmann

Klotz 1
Martin Klotz (Mitte) erzählte aus dem Leben mit der Kunst seines bekannten Vaters.

14. Juni 2025 / Veranstaltungsreihe Nebelfrei 2025

Bienen machen die meiste Zeit Pause



Um die Honigbienen halten sich viele Mythen hartnäckig. Zum Beispiel jener von ihrem sprichwörtlichen Fleiss. Bienenhirte Andy Erb aus Nuglar zeigte in seinem Vortrag vor den Sommerferien, dass die Tiere auch ohne solche Überhöhungen überaus spannend sind.
«Viele Bienen gehen den grössten Teil ihrer Zeit im Bienenstock keiner erkennbaren Tätigkeit nach», erklärte Andy Erb auf die Kinderfrage, ob Bienen denn auch mal «chillen» würden. Mit aufwändigen Beobachtungsstudien habe man das herausgefunden und so den viel zitierten Bienenfleiss infrage gestellt.
Sinnvolle Arbeitsteilung
In der informativen und überaus kurzweiligen Präsentation hatten die knapp 20 Zuhörenden im Keller des alten Weinlagers zuvor erfahren, dass Bienen je nach Alter unterschiedlichste Aufgaben für ihr Volk übernehmen. Sie starten als Reinigungsbiene ins Leben, übernehmen darauf die Brutpflege, lagern später Honig und Pollen ein und kümmern sich schliesslich um den Bau- oder Wachedienst am Stock. Erst ganz am Schluss ihres Lebens gehen sie rund 20 Tage als Sammelbienen auf Ausflüge. Die Zuteilung dieser Aufgaben hat dabei nichts mit Karriere, Status oder Lohn zu tun, sondern entspricht jeweils dem biologischen Entwicklungsstadium. «Jede Arbeiterin macht das, was gerade notwendig ist und wozu sie in der Lage ist – eigentlich eine ideale Arbeitsteilung», meinte Andy Erb.
Gute Chefin
Solche und andere Erkenntnisse aus dem Leben der Bienen nutzt er in seinem Hauptberuf als Organisationsentwickler, um darüber nachzudenken, wie Menschen die Arbeit in einem Unternehmen sinnvoll organisieren könnten. Die Bienenkönigin liefert dabei ein gutes Sinnbild für die Rolle einer Chefin oder eines Chefs. Denn die Königin sei für ihr Volk keinesfalls die allwissende Herrscherin. Sie hat im Wesentlichen nur zwei Aufgaben: Eier legen und Duftstoffe absondern, welche das Volk zusammenhalten. «Für Erneuerung und für Zusammenhalt sorgen: Würde es nicht auch ausreichen, wenn sich das Management in einem heutigen Unternehmen auf diese beiden Aufgaben konzentrierte?», so die durchaus provokative These von Andy Erb.
Mit solchen Denkanstössen, vielen anschaulich aufbereiteten Fakten aus der Bienenwissenschaft und einem eigens eingerichteten Schau-Bienenkasten im Garten gelang es dem passionierten Bienenhirten, dass nach dem Vortrag noch lange über Bienen und Menschen philosophiert wurde.
 
Andreas Kaufmann

Bildschirmfoto 2025-08-21 um 13.07.31

Andy Erb (links) gab anschauliche Einblicke in das Leben und Arbeiten der Honigbienen, unter anderem mit einem Schau-Bienenkasten.

11. April 2025 / Veranstaltungsreihe Nebelfrei 2025

Blueschtwanderung: Ein voller Erfolg!



Gegen 50 Einwohnerinnen und Einwohner nahmen am 11. April 2025 an der Blueschtwanderung teil. Sie zeigten damit, Nuglar-St.Pantaleon ist stolz auf seine ausgezeichnete Hochstammlandschaft. Das rege Interesse ist auch eine Wertschätzung der Arbeit der Landwirte und Landbesitzer sowie der Forst- Natur- und Landschaftskommission, welche das ganze Jahr über für den Unterhalt der Bäume sorgen. Nebelfrei dankt Patrick Saladin für die sachkundige Führung, es war ein eindrücklicher Abend inmitten in der Blüte!

IMG_20250411_192614

Veranstaltungsreihe «Chöpf us Nuglar-St.Pantaleon» von Nebelfrei

Hinhören beim Nuglarer Komponisten


 
Mit Balz Trümpy lebt in Nuglar ein viel beachteter Komponist und emeritierter Professor für Komposition und Musiktheorie. Was ihn umtreibt erklärte er beim Hörreferat im vergangenen Dezember.
 
Balz Trümpy macht «E-Musik». Das «E» steht dabei nicht für elektronische, sondern für ernsthafte, zeitgenössische Musik. Zwar mit klassischen Instrumenten wie Klavier, Geige und Orchester. Aber anspruchsvoll. Kompliziert. Verkopft, könnte man meinen.
Dass er von solchen Etiketten wenig hält, machte Trümpy gleich zu Beginn klar. Vor allem die Abgrenzung zur «U-Musik», also zur Unterhaltungsmusik, sei ihm suspekt. Denn auch er sorgte mit seinen Ausführungen und den vielen Hörproben aus seinem Schaffen für beste Unterhaltung bei den rund 20 Zuhörenden. 
 
Den Schrecken überwinden
Balz Trümpy blickte zurück auf die Anfänge dieses Musikgeneres, als in der Nachkriegszeit und mit der Erfahrung von Ausschwitz im Hintergrund einige Komponisten skeptisch wurden, ob man mit «schöner Musik» den Schrecken jener Zeit überhaupt noch gerecht werde. Trümpy, der seine Ausbildung in Basel und Rom absolvierte und dort Assistent von Luciano Berio wurde, stellt sich bewusst dagegen: «Ich wollte in meinen Kompositionen dem Schrecken nicht noch mehr Energie geben.» Die Gefahr sei, dass es kitschig werde. Um dem zu entgehen experimentierte er unter andem mit den verschiedenen Ausdrucksformen der Stimme, den Übergängen vom Singen zum Sprechen, Reden und Lachen, und schuf damit Kompositionen für Stimme und Orchester.
 
Komponieren als Spaziergang
Bei aller Offenheit und Experimentierfreude in der Neuen Musik sei ihm wichtig, die Hörenden an die Hand zu nehmen und zu zeigen, wohin die Klangreise geht. «Ich brauche einen Takt, einen Puls, woran man sich festhalten kann.» Ebenso will er in seinen Kopositionen nicht auf traditionelle Stilmittel wie Steigerungen oder sich wiederholende und entwickelnde Motive verzichten. Das klingt bereits nach viel ernster Denkarbeit beim Komponieren. Trümpy wiegelte verschmitzt ab: «Man bringt eine Melodiefigur, dann ein Gegenstück dazu, und von da an läufts.» Sein Komponieren sei manchmal so intuitiv wie Gehen: Man setze einen Fuss, dann den anderen und komme Schritt für Schritt voran.
 
Ungewöhnliche Zusammenarbeit
Die schelmische Verspieltheit, die hinter solchen Aussagen steckt, wiederspiegelte sich auch in der letzten von mehreren Hörproben: «Der Dorn», ein vertontes Gedicht aus der Feder seines Sohnes Samuel Trümpy. Dem Vater-Sohn Gespann war es gelungen, Martin Eric Ain, den Bassisten der legendären Metal-Band Celtic Frost für eine gemeinsame Aufnahme zu gewinnen. Während dieser die Sturm-und-Drang-Lyrik interpretierte, sorgten die beiden Trümpys für den dramatischen Klangteppich. Tragischerweise war dies auch die letzte Aufnahme des Metal-Pioniers, bevor er 2017 überraschend verstarb. Bei allem Ernst, der hinter solchen Kompositionen und ihrer Entstehungsgeschichte steckt, gelang es dem Nuglarer Komponisten damit einmal mehr, sein Publikum zum aufmerksamen und damit unterhaltsamen Hinhören zu bewegen.
 
Andreas Kaufmann

Komponist Trümpy Bild 1
Zwei Boxen und seine Handvoll Notizen. Mehr brauchte Balz Trümpy nicht, um sein Publikum auf eine Reise durch sein Schaffen zu nehmen.

Veranstaltungsreihe «Chöpf us Nuglar-St.Pantaleon» von Nebelfrei

Bäumiges aus der Kunstwelt


Julia Schallberger spricht so nahbar über Kunst, als stünden die berühmten Gemälde zuhause im eigenen Wohnzimmer. Im Rahmen der Nebelfrei-Veranstaltungsreihe Mitte September beleuchtete sie die Beziehung zwischen Menschen und Bäumen in der Kunst.

Was sie für eine Beziehung zu Bäumen hätten, fragte die Nuglarer Kuratorin und Kunstvermittlerin am Ende ihres Vortrags. Die Antworten der rund 20 Zuhörenden im Restaurant «alte Brennerei» fielen so vielfältig aus, wie die zuvor gezeigten Kunstwerke: Für die einen sind Bäume profane Lieferanten von Früchten und Baumaterial. Andere verbinden damit Kindheitserinnerungen. Wieder andere lieben sie als schattenspendender Ruheort oder als Biotop für grosse Artenvielfalt auf engstem Raum. «Ich könnte ohne Bäume schlicht nicht leben», brachte eine Zuhörerin die allgemeine Faszination auf den Punkt. Diese Faszination hatte Julia Schallberger zuvor in einem kurzweiligen Streifzug durch die Kunstgeschichte gekonnt geschürt. Sie zeigte, dass es den Menschen schon immer so oder ähnlich ergangen ist. Sie bezogen Bäume in ihr Leben ein und stellten in der Kunst ihre Beziehung zu den Pflanzenriesen dar.

Vom Weltenbaum zum Seelenverwandten
Das begann mit dem Weltenbaum, einem verbreiteten mythischen Motiv vieler früher Kulturen. Die Germanen etwa stellten ihn übergross als Weltachse im Mittelpunkt der Erdscheibe dar. Ein Baum also, um den sich alles drehte und der von den Wurzeln bis zu den Ästen die Unterwelt mit dem Himmel verbunden haben soll. Schallbergers Betrachtungen führten weiter ins Mittelalter. Die Kunsthistorikerin, die unter anderem auch als Wochenblatt-Kolumnistin und Betreiberin der Nuglar Boutique aktiv ist, zeigte auf, wie Bäume gezielt als sinnbildliches und dekoratives Element eingesetzt wurden. Damit kam auf den Lein-wänden zum Ausdruck, wie der Mensch in dieser Zeit versuchte, die Natur zu verstehen, sie zu bändigen und für seine eigenen Gestaltungsabsichten zu nutzen. In der Romantik wiederum setzten Maler wie Caspar David Friedrich die Bäume als eigenständige «Seelenverwandte» ein. Knorrig, windschief und vom Leben gezeichnet wurde das Gehölz dem Menschen zur Seite gestellt.

Genf, Solothurn, Nuglar-St. Pantaleon
Impressionisten wie Manet, Giacometti oder auch der Solothurner Cuno Amiet wiederum gingen mit ihrer Staffelei ins Freie, um das eindrückliche Licht- und Farbenspiel unter dem Blätterdach unvermittelt im Bild festzuhalten. Und moderne zeitgenössische Kunstschaf-ende wie Pauline Julier verbinden in ihrem Werk die Faszination für Bäume mit wissenschaftlichem Interesse und ökologischem Bewusstsein. Die Genfer Künstlerin setzt damit die Ewigkeit und Verletzlichkeit dieser Pflanzengat-ung gleichermassen in Szene.
Klar wurde dabei: Bäume sind dem Menschen nicht egal, weder in der Kunst, noch in der realen Welt, was sich auch in der ausgezeichneten und viel beachteten Hochstammlandschaft rund um unsere Dörfer eindrücklich widerspiegelt.

Andreas Kaufmann

Bildschirmfoto 2024-12-01 um 16.05.05