Herzensangelegenheiten

Nebelfrei

Veranstaltungsreihe «Chöpf us Nuglar-St.Pantaleon» von Nebelfrei

Hinhören beim Nuglarer Komponisten


 
Mit Balz Trümpy lebt in Nuglar ein viel beachteter Komponist und emeritierter Professor für Komposition und Musiktheorie. Was ihn umtreibt erklärte er beim Hörreferat im vergangenen Dezember.
 
Balz Trümpy macht «E-Musik». Das «E» steht dabei nicht für elektronische, sondern für ernsthafte, zeitgenössische Musik. Zwar mit klassischen Instrumenten wie Klavier, Geige und Orchester. Aber anspruchsvoll. Kompliziert. Verkopft, könnte man meinen.
Dass er von solchen Etiketten wenig hält, machte Trümpy gleich zu Beginn klar. Vor allem die Abgrenzung zur «U-Musik», also zur Unterhaltungsmusik, sei ihm suspekt. Denn auch er sorgte mit seinen Ausführungen und den vielen Hörproben aus seinem Schaffen für beste Unterhaltung bei den rund 20 Zuhörenden. 
 
Den Schrecken überwinden
Balz Trümpy blickte zurück auf die Anfänge dieses Musikgeneres, als in der Nachkriegszeit und mit der Erfahrung von Ausschwitz im Hintergrund einige Komponisten skeptisch wurden, ob man mit «schöner Musik» den Schrecken jener Zeit überhaupt noch gerecht werde. Trümpy, der seine Ausbildung in Basel und Rom absolvierte und dort Assistent von Luciano Berio wurde, stellt sich bewusst dagegen: «Ich wollte in meinen Kompositionen dem Schrecken nicht noch mehr Energie geben.» Die Gefahr sei, dass es kitschig werde. Um dem zu entgehen experimentierte er unter andem mit den verschiedenen Ausdrucksformen der Stimme, den Übergängen vom Singen zum Sprechen, Reden und Lachen, und schuf damit Kompositionen für Stimme und Orchester.
 
Komponieren als Spaziergang
Bei aller Offenheit und Experimentierfreude in der Neuen Musik sei ihm wichtig, die Hörenden an die Hand zu nehmen und zu zeigen, wohin die Klangreise geht. «Ich brauche einen Takt, einen Puls, woran man sich festhalten kann.» Ebenso will er in seinen Kopositionen nicht auf traditionelle Stilmittel wie Steigerungen oder sich wiederholende und entwickelnde Motive verzichten. Das klingt bereits nach viel ernster Denkarbeit beim Komponieren. Trümpy wiegelte verschmitzt ab: «Man bringt eine Melodiefigur, dann ein Gegenstück dazu, und von da an läufts.» Sein Komponieren sei manchmal so intuitiv wie Gehen: Man setze einen Fuss, dann den anderen und komme Schritt für Schritt voran.
 
Ungewöhnliche Zusammenarbeit
Die schelmische Verspieltheit, die hinter solchen Aussagen steckt, wiederspiegelte sich auch in der letzten von mehreren Hörproben: «Der Dorn», ein vertontes Gedicht aus der Feder seines Sohnes Samuel Trümpy. Dem Vater-Sohn Gespann war es gelungen, Martin Eric Ain, den Bassisten der legendären Metal-Band Celtic Frost für eine gemeinsame Aufnahme zu gewinnen. Während dieser die Sturm-und-Drang-Lyrik interpretierte, sorgten die beiden Trümpys für den dramatischen Klangteppich. Tragischerweise war dies auch die letzte Aufnahme des Metal-Pioniers, bevor er 2017 überraschend verstarb. Bei allem Ernst, der hinter solchen Kompositionen und ihrer Entstehungsgeschichte steckt, gelang es dem Nuglarer Komponisten damit einmal mehr, sein Publikum zum aufmerksamen und damit unterhaltsamen Hinhören zu bewegen.
 
Andreas Kaufmann

Komponist Trümpy Bild 1
Zwei Boxen und seine Handvoll Notizen. Mehr brauchte Balz Trümpy nicht, um sein Publikum auf eine Reise durch sein Schaffen zu nehmen.